Stand 30. November 2022

3. Deckungsbeitrag, Vollkosten = erweiterte Analyse des Jahresabschlusses

Der Terminus für die erweiterte und vertiefte Analyse des Jahreabschlusses ist "Kosten-Leistungs-Rechnung" (KLR) oder einfach "Kostenrechnung". Auch die Formulierung "Leistungs-Kosten-Rechnung" (LKR) ist verbreitet, weil zuerst die Leistungen aufgeführt werden, wovon die Kosten abzuziehen sind.

Während in der GuV als Ertrag und Aufwand nur das zählt, was - bildlich gesprochen - zum Hoftor hereinkommt bzw. zum Hoftor hinausausgeht, ist bei der Kostenrechnung auch der Innenumsatz einzubeziehen.

Ein Traktorproduzent kann die benötigten Motoren von anderen Anbietern zukaufen, oder er kann sie im eigenen Unternehmen produzieren. Bei beiden Verfahren hat er Kosten für die Motoren. Der eigene Motorenbau produziert Innenumsatz, die eigene Traktorenmontage verbraucht diesen Innenumsatz. In der Buchführung des Traktorherstellers erscheint jedoch nichts.

In der Landwirtschaft kann Wintergerste produziert werden, die nicht auf den Markt kommt, sondern als eigenes Futtermittel in der Tierhaltung verwendet wird. Auch hier gibt es keine geldliche Erfassung. Allerdings kann im Naturalbericht der Buchstelle die Erntemenge (bei Wintergerste) und die verfütterte Menge (z.B. für Milchkühe) notiert sein.

Für die erweiterte Analyse bzw. die Kostenrechnung ist es praktisch, bereits die Begriffe der Zukunftskalkulation zu verwenden, z.B. variable Kosten und Deckungsbeitrag. So wird für einen "barrierefreien" Übergang von der  Betriebsanalyse und zur Betriebsplanung vorgesorgt.

Controlling in der BWL

In diesem Zusammenhang wird vielfach das Wort "Controlling" gebraucht. "To control" heißt im Englischen nicht kontrollieren, dafür gibt es "to check". To control heißt steuern, also Controlling = Steuerung. Auf deutsch ist eher "etwas unter Kontrolle haben" gemeint. Echtes Controlling erfolgt immer mit einer Zielvorgabe, so wie beim Regelkreis einer Raumheizung. Die Zielvorgabe wird beim nächsten Durchgang wieder neu justiert.

D 30: Darst. Wittmann. Vgl. http://finance.wiwi.tu-dresden.de/Wiki-fi/index.php/Controlling, Teil „Grundkonzept des Controlling als kybernetisches System“, und http://www.docju.de/themen/controlling/handouts/regelkreise.pdf


Die betriebswirtschaftliche Analyse kann viele Jahre der Vergangenheit umfassen. Die betriebswirtschaftliche Planung reicht in die Zukunft, unterjährig bis mehrjährig. Beim Controlling geht es um die Gegenwart, genauer um die allerjüngste Vergangenheit und die allernächste Zukunft.

Beim betriebswirtschaftlichen Controlling sind die Zeiträume ein echtes Problem: Erst Monate nach dem Ende des Buchführungsjahres ist eine Kostenrechnung möglich. Am ehesten ist in der BWL das Finanzcontrolling zeitnah, z.B. auf Basis der Vierteljahres-Geldrückberichte der Buchstelle.

Das Produktionscontrolling wird allemal schnellere Instrumente bieten als die Kostenrechnung der BWL. Die Suche nach Frühindikatoren bleibt somit eine ständige Herausforderung. Aus den USA kommt beispielsweise das IOFC = income over feed cost, zu Deutsch etwa "futterkostenfreie Leistung". Diese Rechnung kann täglich zum Einsatz kommen, sofern die eigenen Grundfutter-Vollkosten einigermaßen klar sind.


3.1 Leistungen und variable Kosten, Deckungsbeitrag, Gesamtdeckungsbeitrag

Der Begriff "Deckungsbeitrag" ist nach wie vor in wohl allen Wirtschaftssektoren aktuell.

Die Differenz ist der Deckungsbeitrag des Produktionsverfahrens.

Immer wieder ist es notwendig, in der Kontenschreibung und in den Originalrechnungen nachzuforschen, z.B. wenn eine Rechnung eines Lohnunternehmers mehrere Arbeitserledigungen in verschiedenen PV enthält.

Oft müssen mehrere PV gemeinsam beurteilt werden. Im Pflanzenbau ist z.B. eine mehrjährige Fruchtfolge nötig wegen Bodenhygiene und Stickstoffbilanz. Da fördert vielfach ein PV das andere, ohne selbst rentabel zu sein.

Addiert ergibt sich der Gesamtdeckungsbeitrag. "Der Gesamtdeckungsbeitrag dient zur Deckung der Fixkosten und zur Erzielung eines Gewinns". Das heißt für die Analyse: Er soll ein ausreichendes ordentliches Ergebnis ermöglichen.

Nachfolgend ein Schema mit landwirtschaftlichem Bezug.

D 31: Quelle LEL-Arbeitsmappe für den Bf-Unterricht an Fachschulen 2006 (Th. Winter/Ch. Bäger), wenig verändert


Schon in den 1970er Jahren programmierte Friedrich Hehr am Landwirtschaftsministerium Stuttgart ein EDV-Buchführungssystem, das die Zahlen in die Deckungsbeitragsrechnung transformierte und so eine "Schwachstellensuche" erlaubte. Bei der Erfassung der Buchführungsdaten erfolgte eine zusätzliche Kostenstellen-Kontierung, welche die Buchungen zu den Produktionsverfahren zuordnete. Die so erweiterte Buchführungsanalyse war auf das obige Teilkosten-Schema beschränkt. 

Eine Zweit-Kontierung dieser Art wird auch noch angewandt, wenn Landwirte z.B. die Kosten des Melkroboters verfolgen wollen. Aber verbreitet ist dieses Verfahren bei den Buchstellen nicht. Deshalb stehen hier Betriebsabrechnungsbogen und Hochrechnung im Fokus.

Die Zuteilung von regelmäßigen Zulagen und Prämien ist in der Deckungsbeitrags-Rechnung nicht zwingend erforderlich, sofern sie die wirtschaftliche Rangfolge der PV untereinander nicht ändert (die Zulagen sind freilich als kostenmindernder Faktor in der Vollkostenrechnung zuzuteilen).

Die Teilkostenrechnung bis zum Gesamtdeckungsbeitrag ist weitaus weniger zeit- und kostenaufwendig als die Vollkosten- und Stückkostenrechnung, weil Abschreibungen und andere Fixkosten nicht den einzelnen Produktionsverfahren (PV) zugeteilt werden müssen.

Eine besondere Herausforderung kann die nachträgliche Ermittlung "periodenechter Leistungen" sein, etwa wenn die Kosten eines Produktionsverfahrens hauptsächlich im alten Wirtschaftsjahr (WJ) angefallen sind, die zugehörigen Leistungen (samt Preisen) aber erst im folgenden WJ zu erwarten sind. Das ist z.B. der Fall bei Feldfrüchten in der Landwirtschaft, in welcher meist die WJ per 30.6./1.7. zu trennen sind.

Es ist grundsätzlich von Vorteil, wenn die Kostenabrechnung in Stufen erfolgt.

Dann kann die Kostenrechnung nach der Stufe 1 beendet werden. Stufe 2 wird so fakultativ.


3.2 Fixkostenanteil am Gesamtdeckungsbeitrag %

Schon anfangs der "traditionellen Betriebsanalyse" sind Gesamtdeckungsbeitrag und Fixkosten der Betriebsstätte (ohne Kosten für Löhne, Pacht und Zinsen) leicht anzuzeigen. Hier ein Beispiel mit drei Buchführungsjahren.

D 32: Betriebsanalyse- und -planung JUP PS, Blatt Kurz-A, 3 Wirtschaftsjahre

Dieser Relativwert zeigt, wieviel die Fixkosten vom Gesamtdeckungsbeitrag verschlingen. Eine Prozentzahl von über 40 % wird anzeigen, dass die Betriebsstätte schlecht ausgelastet ist. Der Unternehmer muss ggf. schnell versuchen, den GDb zu erhöhen. Die Fixkosten zu drücken, wird selten in kurzer Frist möglich sein.

3.3 Vollkosten

Werden auch die Fixkosten (inkl. Löhne, Pachten und Zinsen) zu den Produktionsverfahren zugeteilt, gelangt man zu den Vollkosten der PV. Aber: Erst eine super Teilkosten-Rechnung erstellen! Auf eine schlampige Teilkosten-Rechnung eine Vollkosten-Rechnung aufzusetzen, ist Unfug.

Auch kleinere Unternehmen, die in die Vollkostenrechnung einsteigen, sollten diese dann zwei Jahre nacheinander wiederholen. Wenn sich danach keine großen Veränderungen bei den Fixkosten ergeben, kann etwa fünf Jahre pausiert werden bis zur nächsten Vollkosten-Rechnung. Bei einer kleineren Brauerei, die über Jahre nur Ersatz-Investitionen tätigt, reicht es zwischendurch, zu verfolgen, wie sich turbulente Rohstoff- und Energiekosten auf die Deckungsbeiträge auswirkten.

Die Nebenleistungen sind von der Summe der Kosten zu saldieren, z.B. wenn neben Getreidekörnern auch Stroh verkauft wird. Jedenfalls sind regelmäßige kostenmindernde Prämien und Zulagen einzurechnen, wie  staatliche Prämien für die Haltung seltener Tierrassen oder für Tierwohl-Stallungen.

Vollkostengliederung nach DLG

In der Praxis gibt es mehrere Möglichkeiten der Arbeitserledigung. Ein Extremfall ist, dass die Arbeit komplett von fremden Firmen getätigt wird, z.B. von Sub- oder Lohnunternehmern. Weithin wird aber die Arbeit mit Eigenmechanisierung erledigt, sei es durch unbezahlte Familienmitglieder oder angestellte Arbeitskräfte. Wie soll man diese unterschiedlichen Verfahren kostenmäßig vergleichen?

Dafür hat die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) 2000 eine Vollkosten-Gliederung veröffentlicht, in der die Arbeitserledigungskosten in einem Block zusammengefasst sind. Sie umfassen Maschinenkosten variabel und fix, Lohnunternehmen, Lohnaufwand und Lohnansatz.

       Direktkosten
     + Arbeitserledigungskosten
     + Gebäudekosten, Rechtekosten
     + Flächenkosten
     + Sonstige Kosten
     = Vollkosten

Durch den separaten Block der Arbeitserledigungskosten ist die Eigenmechanisierung gut vergleichbar mit der Arbeitserledigung durch fremde Unternehmen.

Kalkulatorisches Betriebszweigergebnis (BZE)

Summe Leistungen minus Summe variable und Fixkosten (inkl. Gemeinkosten) ergibt den Reingewinn des Produktionsverfahrens. Von der DLG wird dieser Kennwert als "kalkulatorisches Betriebszweigergebnis" (BZE) bezeichnet.

Deckungsbeitrags-Rechnung eingebettet in das DLG-Vollkosten-Schema

Im folgenden Schema endet (in der Zahlenspalte links) die Aufsummierung der Leistungen und variablen Kosten mit dem Deckungsbeitrag des Produktionsverfahrens. In der Deckungsbeitrags-Spalte folgen lediglich noch ein paar mengenmäßige Bedarfswerte, wie z.B. der Arbeitszeitbedarf in Stunden.

Die Vollkostenspalte (rechts) hat - gemäß Gliederungsschema der DLG - als erste Station die "Direktkosten". Diese Zahlenkolonne läuft dann durch bis zur Summe der Vollkosten und zum kalkulatorischen Betriebszweigergebnis.

Anhand dieser Db-Einbettung wird nochmals deutlich, wie unterschiedlich jeweils die variablen Arbeitserledigungskosten behandelt werden. In der Db-Rechnung sind sie Teil der variablen Kosten, aber nach DLG-Vollkosten-Schema gehören sie zum Block Arbeitserledigungskosten.

D 33: Quelle "i VD Landwirtschaft.xlsb" - zu holen aus Wittmann-Cloud für Landwirtschaft, Auszug)


Im Beispiel beträgt das "kalkulatorische Betriebszweigergebnis" pro Pensionsreitpferd und Jahr minus 136 Euro, bei 100%iger Auslastung von Stall und Reithalle. Erst ab einem kalkulatorischen BZE von über null Euro kann man aber von Vollkostendeckung sprechen. Die ist - wiederum bei 100%iger Auslastung - gegeben ab 306 Euro monatlicher Pensionsmiete (netto), das würde 364 Euro inkl. 19% MwSt bedeuten. Dann würde das Arbeitseinkommen den Lohnansatz von 17 Euro je Stunde decken.

Anmerkung: In der Landwirtschaft wird in der Deckungsbeitragsrechnung der Raufutterfresser das Grundfutter (Gras, Silage, Heu) nicht sofort geldmäßig angelastet. Vielmehr werden dessen Kosten je Hektar Futterfläche gesondert ermittelt. Das ist in der Betriebsplanung rechentechnisch unübertroffen elegant. Bei der Vollkostenrechnung sind sie natürlich einzukalkulieren, in Summe sind in obiger Tabelle 530 Euro je Pensionspferd und Jahr angerechnet (39 +383 +108) .


3.4 Stückkosten

Vollkosten sind auf einen Betriebszweig oder einen sinnvollen Teil davon (z.B. auf 1 Hektar Kartoffelbau in der Landwirtschaft oder auf die Jahresproduktion von Roggenbrot beim Bäcker) bezogen. Stückkosten werden auf eine produzierte Einheit gerechnet, z.B. (beim Landwirt) auf 1 Tonne Kartoffeln oder (beim Bäcker) auf 1 kg Roggenbrot. Im obigen Kalkulationsbeispiel betragen die Stückkosten je Monat Pensionspferdehaltung 306 Euro ohne MwSt.


3.5 Kostenrechnung mit BAB: vom Bf-Schema zum Db-Schema

Mit BAB, Stufe 1: Abrechnung Deckungsbeiträge

Von der "traditionellen Jahresabschlussanalyse" kommend sind die Buchführungs-Daten in die Form des Deckungsbeitrags-Schemas zu transformieren. Mit BAB ist die Aufteilung (z.B. von Düngemittelarten) und die Zuteilung (zu den Produktionsverfahren) logisch gut verständlich machbar. Der Innenumsatz (z.B. an Futtermitteln) lässt sich innerhalb des BAB erarbeiten.

Das Beispiel zeigt die Zuteilung von 103.109 Euro Aufwand lt. Buchführung für Lohnarbeit und Maschinenmiete. Zur Demonstration sind 15.013 Euro zum Produktionsverfahren "Grünland Silage" noch nicht zugeteilt worden.

D 35-1: Kostenrechnungs-Programm JUP K, Betriebsabrechnungsbogen, Blatt HauptZut (Auszug)

Für den Berater ist es sinnvoll, für so eine Kostenrechnung einen Tag beim Klienten zu verbringen. Da macht es sich gut, wenn man dem Unternehmer mittags schon Zwischenergebnisse in Form der Deckungsbeiträge präsentieren kann. Seine "Spannungskurve" bleibt dann auch bei der Fixkosten-Zuteilung am Nachmittag hoch.

Mittels BAB kann also die Deckungsbeitragsrechnung im Nachhinein erstellt werden (das Formular wird hier nicht gezeigt). Diese lässt sich in einem Betriebsplan ex post zusammenfassen, der zum ordentlichen Ergebnis zurückführt. Dieser Betriebsplan ex post dient zugleich als Kontrollkreis.

Nachfolgend ein Beispiel für ein landwirtschaftliches Unternehmen, rechts die Deckungsbeiträge.

D 35-2: Kostenrechnungs-Programm JUP K, Blatt Bf Bp (Auszug)


In diesem Betriebsplan ex post ist - wichtig für die Landwirtschaft - eine Grundfutterbilanz für Raufutterfresser eingebaut. Die Arbeitszeiten werden später auch benötigt für das Arbeitseinkommen je Stunde und für die Vollkostenrechnungen.

Mit BAB, Stufe 2: Abrechnung Vollkosten

Voraussetzung sind im BAB zusätzliche Zuteillisten für die Fixkosten, z.B. für die AfA. Dabei sind durchaus Vereinfachungen möglich. So können alle Silos zu einer Siloanlage zusammengefasst werden (mit einem Schwerpunkt als Investitionsdatum), und ein nachträglich angeschaffter Frontlader kann mit dem zugehörigen Traktor zusammen erfasst werden.

Da die Kostenrechnung betriebswirtschaftlicher Art ist, ist die Nutzungsdauer des Inventars abweichend von der steuerlichen Inventarliste festzulegen. Beispielsweise ist ein betrieblicher Pkw, der schon 12 Jahre seinen Dienst tut, eben auf wenigstens 12 Jahre abzuschreiben. Indem zur Nutzungsdauer hinzu der dann zu erwartende Restwert geschätzt wird, ist ein ähnliches Vorgehen wie bei der Maschinenkosten-Kalkulation möglich.

Eine automatische "Zuschlüsselung" ist in vielen Fällen problematisch. Es gibt Zuschlüsselungen gemäß der Arbeitszeit für ein Produktionsverfahren. Aber es ist fraglich, ob die AfA immer proportional mit dem Zeiteinsatz steigt. Es gibt sowohl gut technisierbare Produktionen als auch solche, die viel Handarbeitszeit erfordern, etwa die Direktvermarktung an Kunden. Es kann eigentlich nicht sein, dass man bei rel. kleinen Beträgen, wie etwa für die Berufsgenossenschaft, sehr um gerechte Zuteilung bemüht ist, bei der kostenintensiven AfA aber - ohne langes Nachdenken - automatisch zuschlüsselt.

Hier ein Ergebnis einer Vollkostenabrechnung mit BAB. Das Roggenanbau-PV ist nach dem Vollkostenschema der DLG gegliedert. Die Basis für diese 2. Stufe ist die soeben erläuterte Deckungsbeitrags-Abrechnung (1. Stufe).

D 35-3: Kostenrechnungs-Programm JUP K, Blatt Roggen, Vollkosten (Auszug)


Das "Kalkulatorische Betriebszweigergebnis" (BZE) ist der Reingewinn aus dem Produktionsverfahren. Es ist im Roggen-Beispiel stark negativ, obwohl die Pachtkosten je ha moderat erscheinen.

Das eigentliche Problem bei einer KLR "mit BAB" ist der sehr hohe Zeitaufwand. Aus Rheinland-Pfalz wurde berichtet, dass für die KLR in spezialisierten landwirtschaftlichen Unternehmen der durchschnittliche Aufwand für eine Vollkostenrechnung (mit allen Vorbereitungen und Nachbesprechungen) 20 Arbeitsstunden beträgt. Dies wurde aus Niedersachsen für die Meisterausbildung bestätigt. In günstigen Fällen kommt man als Geübter mit 5 bis 10 Stunden hin. Aber bei Agrarbetrieben mit mehreren großen Ställen kann der Zeitaufwand mit BAB zwei Wochen betragen. In Betrieben der Industrie kann das sogar eine Ganzjahresaufgabe von Controllern sein. Ein Betriebsberater kann solche Teil- oder Vollkosten-Abrechnungen "mit BAB" nur bieten, wenn der Unternehmer die Zeit dafür auch bezahlt.


3.6 Kostenrechnung ohne BAB: vom Db-Schema zum Bf-Schema

Eine meist "hinreichend genaue Kostenrechnung" ist auch ohne BAB möglich, quasi von hinten her. Das Vorgehen gegenüber jenem mit BAB ist also umgekehrt. Wenn bekannt ist, wieviel Düngerkosten ein Hektar Weizen, ein Hektar Kartoffeln usw. verursacht, kann das Summenprodukt hochgerechnet werden für den Gesamtbetrieb.

Die Hochrechnung für alle Produktionsverfahren kann dann mit dem Aufwendungen laut GuV verglichen bzw. abgeglichen werden. Routine ist hier von Vorteil. Überbetriebliche Daten aus Horizontalvergleichen sind nützlich.

Es ist zweckmäßig, im Schema der Deckungsbeitragsrechnung ein "Buchführungs-Ist" zu bilden, das an die Buchführungsergebnisse angepasst ist. Es ist dabei aber vorzusorgen, dass auf den Kreditblättern rechnerisch nicht zu schnell getilgt wird.

Soll hinterher eine Betriebsplanung im Schema "Jahr-nach-Jahr" kalkuliert werden, ist eine bestimmte Jahresabfolge angebracht. Dies wurde oben schon bei Punkt "2.3.2 Einzelaufstellung der Kredite" angesprochen. Hier - zur Erinnerung - ein Beispiel bei einem Wirtschaftsjahr (WJ) vom 1.7. - 30.6.:

Letzes WJ  2021/22 = 1.7.2021 Anfang letzes Buchführungsjahr
1. Variante  2022/23 = 1.7.2022 Anfang "Buchführungs-Ist"
2. Variante  2023/24 = 1.7.2023 Anfang 1. Planjahr vor Umstellung, usw.

Ohne BAB, 1. Stufe: Nachkalkulation Deckungsbeiträge

Beispiel einer Realisation: Auf diesem Blatt werden rechts die Deckungsbeiträge nachkalkuliert. In der 3. Zahlenspalte links wird die Hochrechnung der Leistungen und der variablen Kosten angezeigt. In der 2. Zahlenspalte ist der Innenumsatz abgezogen, so dass diese Werte mit dem Bf-Schema (1. Zahlenspalte) vergleichbar sind.

Der Abgleich kann ziemlich perfekt gemacht werden. Falls plausible Gründe vorliegen, kann auch eine Differenz verbleiben (ein größerer Unterschied wird in diesem Programm farblich unterlegt). Wenn zum Vergleich der 3-jährige Buchführungs-Durchschnitt dient, wird die Abweichung sogar oft plausibel sein.

Da der BAB umgangen wird, bedarf es einer Innenumsatz-Hilfstabelle (siehe D 3-9). Der Innenumsatz wird auf dieses Deckungsbeitrags-Blatt (D 3-8) zurückgemeldet.

Sind danach auch Fixkosten im Programm eingetragen, kann die Nachkalkulation komplett im Schema der GuV des Buchführungs-Jahresabschlusses dargestellt werden (D 36-2).

D 36-1: Betriebsanalyse- und -planung JUP PS, Blatt 6 GNP (ohne BAB, gekürzt)


D 36-2: Betriebsanalyse- und -planung JUP PS, Blatt 3 Db (ohne BAB, nur ein paar PV exemplarisch)

Zum Innenumsatz (IU) im Betriebsbeispiel: Es werden die erzeugten Jungkühe zum großen Teil als Kuhersatz selbst gebraucht. Zudem liefert die Kuhhaltung an die Jungkuhnachzucht weibliche Kälber. Das ergibt zusammen maximal 76.752 Euro Innenumsatz. Dieser Betrag senkt den Tierzukauf. Beim Getreide wird ein Teil verkauft, es bleiben (in Geldwert gerechnet) 94 % der Leistungen für den Innenumsatz (IU). Der errechnete Betrag (68.911 Euro) kommt als IU bei den Futtermitteln voll in Abzug (für Saatgut wurde kein IU berechnet). Das sind in diesem Milchvieh-Mastschwein-Betrieb immerhin 21 % des geldlichen Aufwandes für Futtermittel.

Wer die Deckungsbeitragsrechnung mit großer Sorgfalt nachkalkuliert und auch den Arbeitszeitaufwand eingetragen hat, kann sich mit einer "hinreichend genauen Vollkosten-Rechnung" ohne BAB belohnen.

Ohne BAB, 2. Stufe: Nachkalkulation Vollkosten

Zu etlichen Zuteilungen sind Vorschläge realisierbar. So können z.B. die Maschinen-AfA proportional zu den variablen Maschinenkosten (in der Deckungsbeitrags-Nachkalkulation eingetragen) den Produktionsverfahren zugeteilt werden. Nur wenige Daten sind zwingend manuell zu bearbeiten, wie die "sonstigen Kosten" (z.B. Grundsteuern, Prämien für allgemeine Betriebsversicherungen, Kosten für Buchführung und Steuerberatung).

Die AfA der Gebäude und deren Einrichtung für die Tierhaltung sind aus dem Inventarverzeichnis zur Bilanz zu übertragen. Bei Pflanzenbau-Verfahren ist es einfacher, die Gebäude-AfA je Hektar einzugeben. Eine externe Aufstellung kann dafür nützlich sein.

Die in der folgenden Tabelle hochgerechneten Werte (in der 2. Geldspalte) sind direkt vergleichbar mit den Ergebnissen der Buchführung (1. Zahlenspalte). Der Abgleich kann wiederum rechnerisch ziemlich perfekt gemacht werden. Falls plausible Gründe vorliegen, kann auch hier eine Differenz verbleiben.

D 36-3: Betriebsanalyse- und -planung JUP PS, Blatt 7 Voko (ohne BAB, PV exemplarisch)

Anmerkung: Alle Angaben in diesem Beispiel sind ohne Mehrwertsteuer.

Zu erwarten ist, dass die gesamte Kostenrechnung "ohne BAB" nur ein Fünftel der Zeit beansprucht (oder weniger) als eine solche "mit BAB", sofern eine gute Routine gegeben ist. Freilich, in der Fachschule muss der Kandidat erst Routine erwerben. Der Fachlehrer wird gut daran tun, sich als "Fahrlehrer" zu sehen, ggf. unterstützt durch Tutoren, z.B. clevere Absolventen früherer Jahrgänge.

Interessant ist, dass die Fachschüler hernach sehr motiviert sind, auch die Plan-Vollkosten ihrer Zielbetriebe zu kalkulieren. Bei mehreren Analysevergleichen von "mit BAB" und "ohne BAB" desselben Betriebs waren die Abweichungen nicht groß, z.B. bei den Milchvollkosten bei einem Cent.

Ob nun mit BAB oder ohne: Zuteilprobleme sind bei beiden Verfahren zu erwarten, z.B. bei Hallen mit Mehrfachnutzung. Bei Gemeinkosten, wie dem jährlichen Aufwand für Buchführung je Kuh, kann der Blick in spezielle Kalkulationen von Lehranstalten helfen.

Fazit: In spezialisierten Betrieben ist für den Unternehmer die Kostenrechnung ohne BAB eine echte Alternative, um an "hinreichend genaue Teil- und Vollkosten" zu kommen. Wenn jedoch ein großes und vielfältiges Unternehmen vorliegt, ist der Weg "mit BAB" nicht zu umgehen.


3.7 Einbettung spezieller Analysen und Kalkulationen (Weinbau)

Vorteilhaft ist, wenn Buchführungsanalyse und Betriebsplanung mit demselben Programm durchgeführt werden können. Für viele landwirtschaftliche Produktionsverfahren bietet die Deckungsbeitragsanalyse z.B. in JUP PS auch eine gut abgesicherte Grundlage für die Betriebsplanung. Bei einigen Produktionsbereichen können jedoch der Wunsch - oder gar die Notwendigkeit - bestehen, spezielle fundamentale Analysen und Kalkulationen zwischenzuschalten. Das ist z.B. bei Biogasanlagen unumgänglich.

Für den Weinbau mit Kellerei (zur Flaschenabfüllung) kann die „Einbettung“ in JUP PS etwa wie folgt skizziert werden. Dabei ist im Schema auch an Maßnahmen der „neuen Diversifizierung“ gedacht: Einrichtungen zur Degustation, Ferienwohnungen und ähnliche Nebenbetriebe.


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