1. Der Kern der Betriebswirtschaftslehre
Diese „Basics für Unternehmer und Analysten“ umfassen Instrumente, die für den Erfolg eines Unternehmens von zentraler Bedeutung sind. Die in den Schulen gelehrte „Alltagsökonomie“ kann darauf aufbauen. Viele Schüler werden bald Verantwortung in Parlamenten, Stadträten usw. übernehmen, überall dort, wo Grundkenntnisse in Betriebswirtschaftslehre erforderlich sind.
Das folgende Diagramm zeigt, dass die Themen der Betriebswirtschaftslehre sehr vielfältig sind. Darüber hinaus benötigen Unternehmer in der Regel umfangreiches Wissen über andere Geschäftsaktivitäten und über die Produktion, um erfolgreich zu sein. In vielen Fällen müssen Unternehmer (und ihre Familien) die Arbeit auch selbst erledigen. Sie müssen über die erforderlichen Fähigkeiten verfügen.
Abb. 100-1 Der Kern der Betriebswirtschaftslehre für Unternehmer und Unternehmen. Quelle: H. Wittmann
Im Fokus stehen dabei
1. Rentabilität des Unternehmens
2. Liquidität für den Zeitraum
3. Stabilität und Risiko
Die Betriebswirtschaft für Unternehmer umfasst die Kalkulation von Angeboten beim Verkauf eigener Produkte oder Dienstleistungen. Beispielsweise müssen Unternehmer den „wirtschaftlichen Mindesteinsatz einer Maschine” einzeln berechnen, sei es für den Einsatz im eigenen Unternehmen oder für den Einsatz in anderen Unternehmen. Sie müssen sich über die monetären Kosten und den effektiven Jahreszins im Klaren sein, auch beim Verzichten auf Rabatte. Dies erfordert Kenntnisse in Finanzmathematik. Außerdem müssen sie viel über Spekulationen auf Beschaffungsmärkten, über Warenwirtschaft, über Teammanagement, über öffentliche Präsentationen und so weiter wissen.
Die Aufgaben eines Unternehmers müssen streng von denen eines Buchhalters unterschieden werden. Für die Richtigkeit der Buchhaltung sind die Buchhalter verantwortlich. Das bedeutet, dass die Zahlen in der Buchhaltung an mehreren Stellen übereinstimmen müssen.
Beispiele für Prüfsummen:
Vermögen = Fremdkapital + Eigenkapital (Bilanz)
Aufwendungen + Gewinn = Erträge + Verlust (Gewinn- und Verlustrechnung)
Mittelherkunft = Mittelverwendung (Kapitalflussrechnung)
Bis Anfang der 1970er Jahre war es keineswegs selbstverständlich, dass diese Zahlen übereinstimmten. In Zeiten des Kopfrechnens war dies eine große Aufgabe. Die Buchhaltungsbüros verbrachten oft viel Zeit mit der „Kontenabstimmung”, um den Jahresabschluss zu erstellen. Heutzutage dienen solche Prüfsummen dazu, die korrekte Berechnung des Buchhaltungsprogramms zu überprüfen.
Die Aufgabe des Unternehmers ist nicht die Buchhaltung. Vielmehr muss er aus den Zwischenberichten und Jahresabschlüssen der Buchhaltung intelligente Schlussfolgerungen ziehen. Die folgende Übersicht vergleicht die Denkweise von Buchhaltern mit der von Unternehmern. Sie denken extrem unterschiedlich.
Abb. 100-2: Die Denkweise von Buchhaltern unterscheidet sich von der von Unternehmern. Quelle: H. Wittmann
Der Übergangs vom Kopfrechnen zum digitalen Rechnen vor gut 50 Jahren erübrigt „Soll und Haben“. Trotzdem wird der Nachwuchs heute noch oft wochenlang mit diesen Erfindungen von 1494 gequält.
Im Februar 2026 schrieb ein Abgeordneter des EU-Parlaments im Hinblick auf IFRS 18: „Zugleich ist es für die europäischen Unternehmen von großer Bedeutung, dass wir im Bereich der Rechnungslegung international vergleichbare Standards anwenden und nicht einen Sonderweg gehen, der ihre Wettbewerbsfähigkeit im globalen Umfeld schwächen würde.“
Aus Sicht der Betriebswirtschaft sind stattdessen die Bedürfnisse und das Verständnis der Unternehmer entscheidend, um z.B. eine Illiquidität oder einen Bankrott zu vermeiden!
Übrigens: Etliche Kollegen lehren derzeit lieber Instagram und Co. als die Schüler und Studenten als „Fahrlehrer“ in den Kern der Betriebswirtschaft einzuüben.

